Leonardo da Vinci – Internationale Berufsbildungsförderung

Für ein starkes und geeinigtes Europa werden im Rahmen des „Leonardo da Vinci Programms“ besonders fördernswerte Projekte im Bereich der beruflichen Bildung finanziell unterstützt. Die Berufsschule in Lauingen mit ihrem „Europa-Projektleiter“ Bernhard Lernhard bekommt seit Jahren immer wieder den Zuschlag für hervorragend ausgearbeitete Programme. Nach Erfolgen in Finnland, Polen und Griechenland konnte sich die Berufsschule Lauingen dieses Jahr über die Förderung eines besonderen Projekts in Spanien freuen:

Duale Ausbildung für Spanien

Was in der Politik und in der Fachpresse seit Jahren diskutiert wird, haben deutsche Berufsschullehrer nun einfach in die Tat umgesetzt.

Das duale System der Berufsausbildung mit der Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb wird seit einigen Jahren in ganz Europa sowie in Übersee zunehmend als Erfolgsmodell erkannt. Nun hat eine Gruppe von 16 Lehrern der Berufsschule Lauingen bei einem Besuch am katalonischen Kultusministerium in Barcelona den dortigen Verantwortlichen die Vorzüge des dualen Bildungssystems aus erster Hand erläutert. Für eine nachhaltige Hilfe bei der Umsetzung des dualen Systems wurde mit zwei Schulen eine Kooperation initiiert, die unter anderem Wissens- und Innovationstransfer sowie einen Schüler- und Lehreraustausch in Form von Praktika beinhaltet.

Die Berufsschule Lauingen ist seit Jahren begehrter Ansprechpartner für ausländische Schulen:

Vermittelt durch die Hans-Seidel-Stiftung kommen mehrmals im Jahr chinesische Delegationen, um sich vor Ort über den genauen Ablauf der dualen Bildung zu informieren. Mit der chinesischstämmigen Lehrerin Frau Dong hat die Berufsschule Lauingen den perfekten Ansprechpartner im Kollegium.

Teachers meet SEAT

Natürlich wollte auch die deutsche Delegation etwas Neues lernen. Mit einem Praktikum bei SEAT, einem Ableger des VW-Konzerns, wurden den Lehrern die neuesten Technologien in der PKW-Herstellung erklärt. SEAT hat für dieses dreitägige Praktikum einige seiner besten Techniker und Ingenieure freigestellt, um die detaillierten Fragen der Berufsschullehrer zu beantworten.Schwerpunkte waren dabei Themenfelder wie Schweißtechnik, Robotertechnik, Umwelttechnik und Qualitätsmanagement. So blieben trotz der engagiertenDiskussionen aller Teilnehmer keine Fragen offen. Anerkannt werden sollte auch, dass das Leonardo Programm neben der technischen Seite auch den interkulturellen Austausch innerhalb Europas fördert – so konnten sich die Eindrücke des Tages bei der Besichtigung der Sagrada Familia, dem Gaudi-Museum und dem Parque Guell setzen. Ein weiterer kultureller Höhepunkt zum Ende des Spanienaufenthalts war der Besuch des weltbekannten Benediktinerklosters Santa Maria de Montserrat , das in ein beeindruckendes Sandstein-Massiv unweit der Küste hineingebaut wurde.

Gespräche mit den Einheimischen, den Barcelonesen auf der Straße, in der U-Bahn oder im Restaurant haben sehr zum gegenseitigen kulturellen Verständnis beigetragen. Letzte Zweifel an der spanischen Lebensart wurden den Lehrern bei einem Besuch des ansässigen Goetheinstituts genommen. Gängige Vorurteile wie kurze Arbeitstage, viel Urlaub und noch mehr Siesta sind seit langem nicht mehr Bestandteil der heutigen spanischen Lebens- und Arbeitswelt. Fakt ist, dass der Durchschnittsspanier 22 Urlaubstage pro Jahr erhält, ein Deutscher bekommt einige Tage mehr. Die Durchschnittsarbeitszeit pro Jahr beträgt in Spanien 1647 Stunden, in Deutschland sind es nur 1430 Stunden. Das effektive Renteneintrittsalter entspricht mit durchschnittlich 61,8 Jahren exakt dem Deutschen. Und dies alles bei beinahe nur halbem Bruttodurchschnittslohn in Spanien! (Quelle: Eurofound/Eurostat/OECD).

Der vorletzte Tag des einwöchigen Praktikums war mit dem Besuch der hervorragend ausgestatteten privaten Berufsschule in Ripoll ein weiteres Highlight. Diese Schule finanziert sich aus einer Stiftung und darf im Gegensatz zu deutschen Berufsschulen wirtschaftliche Gewinne erzielen. Die Kollegen aus Deutschland staunten nicht schlecht über die computergesteuerte Herstellung von Zahnimplantaten mit 3D-Scanner zur Digitalisierung des Zahnabdrucks, spezifischer CAD-Software und CNC-Maschine sowie deren Vermarktung. Diese private Berufsschule ist eine der beiden Schulen, mit der die BS-Lauingen eine Kooperation eingeht. Der erste Praktikant wird bereits in den Pfingstferien nach Ripoll geschickt.

Reinhard Hickl


Staatliche Berufsschule Lauingen mit Berufsfachschule für Technische Assistenten für Informatik
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